memory gap

 

Potentiale archivalischer Praxen in der Gegenwartskunst

 

Eröffnung
Fr | 04. September 2026 | 18:00 Uhr
Ausstellungsdauer
05. September – 19. September 2026
Veranstalter
Künstler*innenverbund im Haus der Kunst München
Ausstellungsort
Südgalerie im Haus der Kunst
Öffnungszeiten
Mi - Mo | 10:00 - 20:00 Uhr | Di geschlossen
Eintritt
7 EUR regulär | 5 EUR ermäßigt | 2 EUR für Besucher*innen unter 18 Jahren

 

Künstler*innen
Zanny Begg & Oliver Ressler, Hsiao-Shu Chen, Anna Maria Eichlinger, Nicole Frenzel, Friederike & Uwe, Nausikaa Hacker, Regina Hellwig-Schmid, Sanja Iveković, Atelier Jacobi, Béla Juttner, Zanele Muholi, Paula Pongratz, Walter Seidl, Joachim Seinfeld, Katrin Winkler
Kuratorin
Petra Gerschner
Geschäftsführerin
Kristin Brunner
Führungen

Öffentliche Führungen mit der Kuratorin

 

Gebärdensprache
Die Eröffnungsveranstaltung am 4. September wird in Deutsche Gebärdensprache simultan übersetzt.

 

 

Die Faszination von Archiven als Wissensspeicher, Aufbewahrungsort von Dokumenten, Fotografien, Filmen und Artefakten sowie als Gegenstand künstlerischer Auseinandersetzung ist ungebrochen. Archive adressieren die Zukunft. Sie sind gesellschaftliches Gedächtnis, das die längste Zeit verschlossen und im Verborgenen bleibt.

 

Die Ausstellung memory gap befragt die Auseinandersetzung mit archivischen Strategien und Methoden in künstlerischen Prozessen. Die ausgestellten Werke der 17 Künstler*innen aus fünf Kontinenten dekonstruieren etablierte Ordnungssysteme und recherchieren deren Botschaften. Sie identifizieren und durchleuchten missing links, erstellen neue Bedeutungszusammenhänge und entwickeln eigene historische wie biografische Erinnerungsmodelle. Bezugnehmend auf den bestehenden Archivkosmos agieren die Künstler*innen der Ausstellung als Untersuchende, Sammelnde, Hinterfragende und Forschende. Mit ihren künstlerischen Interventionen unterlaufen und attackieren sie dabei die offizielle Lesart hegemonialer Narrative.

 

Archive beanspruchen Deutungsmacht. In ihnen spiegeln sich die Interessen und Machtverhältnisse sowie die Sammlungs- und Repräsentationsgeschichte, die der Genese eines jeden Archivs immanent sind. Archive sind demnach auch Zeugnisse dessen, was nicht gesagt wird, des Schweigens, Marginalisierens, der Lücke, des memory gaps.

 

So sind Fragen der Darstellung und der kollektiven Erinnerung stets auch Fragen gesellschaftlicher Machtverhältnisse und Ausdruck realer Dominanzstrukturen. Die Künstler*innen der Ausstellung entwickeln Modelle der Selbstermächtigung, um neue Perspektivierungen auf Geschichte auszuloten, von Archiven formierte Regelsysteme durch subversive Impulse oder poetische Eingriffe aufzubrechen und mit anarchivischen Inhalten zu füllen.

 

Die ausgestellten Werke zeigen ein breites Spektrum methodischer Ansätze und Arbeitsweisen der Gegenwartskunst. Dreidimensionale, skulpturale Objekte unterschiedlicher Materialität entfalten ihr archivalisches Potential und treten in Dialog mit Videoprojektionen, fotografischen Positionen, Zeichnung und Performancekunst.

 

Auch ein Teil des Archivs des Künstler*innenverbund im Haus der Kunst e.V. findet im Rahmen der Ausstellung memory gap öffentliche Repräsentanz: Alle Ausstellungspublikationen von 1949 bis 2026 werden als Präsenzbibliothek erstmals den Ausstellungsbesucher*innen in einem Handapparat zur Ansicht zur Verfügung stehen.

 

Über sieben Jahrzehnte führte das KV-Archiv einen Dornröschenschlaf im Untergeschoss des Haus der Kunst. Dieses Archiv dokumentiert die Ausstellungstätigkeit der Künstler*innenvereinigungen im Haus der Kunst (vormals Ausstellungsleitung München e.V.) von 1948 bis heute.

 

Im Frühjahr 2026 wurde es an das Bayerische Hauptstaatsarchiv übergeben und kann nun für Forschungsfragen – vom Ausstellungswesen der Nachkriegszeit über Kunstmarkt- und Provenienzforschung bis zur Selbstorganisierung der Künstler*innen – wissenschaftlich bearbeitet werden.

 

 

Dank an die Leihgeber*innen:

  • Museum Brandhorst München - Eva Felten Fotosammlung
  • Kontakt Sammlung, Wien / Kontakt Collection, Vienna 
  • Zentralinstitut für Kunstgeschichte, München
  • Mit freundlicher Unterstützung von:
    Bezirk Oberbayern George Washington Gedenkstiftung Kulturreferat Margarete Ammon Stiftung sw Stiftung Stark Stiftung Strassenkunst sw StmWK Bayern